Veröffentlichungen

Natalia Nowack

Soziologisches Paradigma in russischsprachiger Musikwissenschaft. Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts

Die Beschaffenheit des Fachs »Musiksoziologie« im frühen 20. Jahrhundert ist bislang nur einseitig erforscht worden. Berücksichtigt wurden vor allem Ansätze west-europäischer Autoren, andere Konzepte wurden vernachlässigt. Die jüngste Analyse russischsprachiger Quellen zeigt, dass es in den 1920er-Jahren in Russland zu einer enormen Entwicklung musiksoziologischer Denkweise kam, die die Geschichte der Musiksoziologie im neuen Lichte erscheinen lässt. ...

Hans Heinrich Eggebrecht

Ad organum faciendum

Lehrschriften der Mehrstimmigkeit in nachguidonischer Zeit

Die vorliegende Arbeit behandelt jene Gruppe von Organum-Traktaten, in deren Mittelpunkt der Prosateil des bekannten sogenannten Mailänder Traktats steht ...

Eckhard Roch

Chroma – Color – Farbe

Ursprung und Funktion der Farbmetapher in der antiken Musiktheorie

Die musikalische Chromatik ist ein Phänomen, das regelmäßig in Umbruchsituationen der Musikgeschichte zu beobachten ist. Dabei haben die Begriffe »Chroma« und »Chromatik« ursprünglich nichts mit »Farbe« oder »Umfärbung« zu tun, sondern lassen sich auf einen metaphorischen Gebrauch in der Antike zurückführen. ...

Ewald Jammers

Der mittelalterliche Choral

Art und Herkunft

Der Leser wird vielleicht zunächst vermuten, daß mit dem »mittelalterlichen Chorale« der gregorianische Gesang gemeint ist, obwohl diese Bezeichnung keineswegs üblich wäre. Er würde dabei von der Annahme ausgehen, dass der gregorianische Choral im Mittelalter, genauer im frühen Mittelalter, entstanden ist. Diese Annahme trifft aber doch wohl nicht zu.

Karlheinz Stockhausen

Freiheit – das Neue – das Geistig-Geistliche

Am 26. Juli 1997 fand in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Litanei 97 für Chor a cappella statt. Der Komponist wurde vom Organisator des Europäischen Musikfestes für geistliche Musik, Ewald Liska, eingeladen, vor der Uraufführung einführende Worte zu sprechen und an einem Gespräch mit dem Publikum teilzunehmen. ...

Susanne Schaal-Gotthard

»Es würde mir Leid tun …«

Hindemiths »Klaviermusik mit Orchester« op. 29 für Paul Wittgenstein

Im Frühsommer 1923 schickte Paul Hindemith zwei Notenpakete nach Wien. Sie enthielten Partitur und Stimme der Klaviermusik mit Orchester (Klavier: linke Hand) op. 29 – ein Werk, das der kriegsversehrte Pianist Paul Wittgenstein bei ihm in Auftrag gegeben hatte. ...

Luigi Nono

Gitterstäbe am Himmel der Freiheit

Es herrscht heute – auf dem Gebiet des Schöpferischen wie auf dem des Kritisch-Analytischen – vielfach die Tendenz, ein künstlerisch-kulturelles Phänomen nicht in seinen geschichtlichen Zusammenhang einzufügen. ...

Werner Meyer-Eppler

Elektronische Kompositionstechnik

Das Wort »elektronisch« bedarf der Erläuterung. Es soll eine Abgrenzung der Ausgangspositionen vornehmen: auf der einen, der historischen, traditionellen Seite die unmittelbaren, mitunter als mechanisch bezeichneten Musikinstrumente, die Musikinstrumente also, deren schallgebende Elemente (Saiten, Zungen, Lippen usw.) vom Menschen selbst in Schwingung versetzt und nach den jeweiligen künstlerischen Absichten beeinflußt werden; auf der anderen Seite ...

Olivier Messiaen

Musikalisches Glaubensbekenntnis

Bei jeder schöpferischen Tätigkeit gibt es drei Stufen: die Inspiration, die Arbeit, das Werk. Im furchtbaren 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Suchens und der Schnelligkeit, betont man die zweite Stufe. ...

György Ligeti

Zustände, Ereignisse, Wandlungen

Über »Apparitions«

In meiner frühen Kindheit träumte ich einmal, dass es mir nicht gelinge, bis zu meinem Bettchen (das mit Gittern versehen war und als sicherer Zufluchtsort galt) vorzudringen; denn das ganze Zimmer war von einem dünnfaserigen, aber dichten und äußerst verwickelten Gewebe ausgefüllt, ähnlich dem Sekret von Seidenwürmern, die bei ihrem Einpuppen das ganze Innere der Schachtel, in der sie gezüchtet werden, bespinnen. ...