Historische Musikwissenschaft

Ewald Jammers

Der mittelalterliche Choral

Art und Herkunft

Der Leser wird vielleicht zunächst vermuten, daß mit dem »mittelalterlichen Chorale« der gregorianische Gesang gemeint ist, obwohl diese Bezeichnung keineswegs üblich wäre. Er würde dabei von der Annahme ausgehen, dass der gregorianische Choral im Mittelalter, genauer im frühen Mittelalter, entstanden ist. Diese Annahme trifft aber doch wohl nicht zu.

Karlheinz Stockhausen

Freiheit – das Neue – das Geistig-Geistliche

Am 26. Juli 1997 fand in der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd die Uraufführung von Karlheinz Stockhausens Litanei 97 für Chor a cappella statt. Der Komponist wurde vom Organisator des Europäischen Musikfestes für geistliche Musik, Ewald Liska, eingeladen, vor der Uraufführung einführende Worte zu sprechen und an einem Gespräch mit dem Publikum teilzunehmen. ...

Susanne Schaal-Gotthard

»Es würde mir Leid tun …«

Hindemiths »Klaviermusik mit Orchester« op. 29 für Paul Wittgenstein

Im Frühsommer 1923 schickte Paul Hindemith zwei Notenpakete nach Wien. Sie enthielten Partitur und Stimme der Klaviermusik mit Orchester (Klavier: linke Hand) op. 29 – ein Werk, das der kriegsversehrte Pianist Paul Wittgenstein bei ihm in Auftrag gegeben hatte. ...

Luigi Nono

Gitterstäbe am Himmel der Freiheit

Es herrscht heute – auf dem Gebiet des Schöpferischen wie auf dem des Kritisch-Analytischen – vielfach die Tendenz, ein künstlerisch-kulturelles Phänomen nicht in seinen geschichtlichen Zusammenhang einzufügen. ...

Werner Meyer-Eppler

Elektronische Kompositionstechnik

Das Wort »elektronisch« bedarf der Erläuterung. Es soll eine Abgrenzung der Ausgangspositionen vornehmen: auf der einen, der historischen, traditionellen Seite die unmittelbaren, mitunter als mechanisch bezeichneten Musikinstrumente, die Musikinstrumente also, deren schallgebende Elemente (Saiten, Zungen, Lippen usw.) vom Menschen selbst in Schwingung versetzt und nach den jeweiligen künstlerischen Absichten beeinflußt werden; auf der anderen Seite ...

Olivier Messiaen

Musikalisches Glaubensbekenntnis

Bei jeder schöpferischen Tätigkeit gibt es drei Stufen: die Inspiration, die Arbeit, das Werk. Im furchtbaren 20. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Suchens und der Schnelligkeit, betont man die zweite Stufe. ...

György Ligeti

Zustände, Ereignisse, Wandlungen

Über »Apparitions«

In meiner frühen Kindheit träumte ich einmal, dass es mir nicht gelinge, bis zu meinem Bettchen (das mit Gittern versehen war und als sicherer Zufluchtsort galt) vorzudringen; denn das ganze Zimmer war von einem dünnfaserigen, aber dichten und äußerst verwickelten Gewebe ausgefüllt, ähnlich dem Sekret von Seidenwürmern, die bei ihrem Einpuppen das ganze Innere der Schachtel, in der sie gezüchtet werden, bespinnen. ...

Helmut Lachenmann

Luigi Nono oder Rückblick auf die serielle Musik

Jeder Künstler wird sich in einem bestimmten Stadium seiner Entwicklung entscheiden müssen, wie er sich zu der Gesellschaft, als deren Requisit er fungiert, zu verhalten hat. Für einen Komponisten ist eine solche Entscheidung insofern kompliziert, als er zur Realisierung und Verbreitung seiner Werke im allgemeinen auf die Zusammenarbeit mit Institutionen dieser Gesellschaft angewiesen ist. ...

Herbert Eimert

Was ist elektronische Musik?

Elektronische Musik – das ist zunächst eine etwas voreilige Bezeichnung für eine Sache, die man im augenblicklichen Stadium als ein Experimentieren mit einem neuen musikalischen Rohstoff bezeichnen kann. Den Rohstoff liefert die Elektronenröhre; sie erzeugt Schwingungen, die, umgewandelt, im Lautsprecher als Klang erscheinen; der Klang kann auf einem Magnettonträger aufbewahrt werden, so daß er jederzeit reproduzierbar ist. ...

Carl Dahlhaus

Avantgarde und Oper

Die Verachtung der Oper, wie sie ästhetische Puristen zur Schau tragen, war immer schon mit Heuchelei gemischt. Auch der strengste Avantgardist, der Musik als tönende Struktur und nichts sonst begreift, fühlt sich irgendwann von der Oper, dem suspekten Genre, hinterrücks angezogen. ...