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Stefanie Acquavella-Rauch

›Öffentliches Privates‹: Intelligenzblätter als Zugangsmöglichkeiten zu unbekannten musikalischen Lebenswelten im 18. Jahrhundert

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Der Begriff der Lebenswelt, wie er in dem Zitat von Jürgen Habermas umrissen wird, ermöglicht es neben der Verortung von Individuen in ihren sozialen, regionalen, zeitlichen und materiellen Kontexten auch, ihr Verhaftetsein in kommunikativen Zusammenhängen und Prozessen zu schildern. Über ein Beschreiben dieser Individuen und ihrer kommunikativen Handlungen ist es daher im Umkehrschluss möglich, Rückschlüsse auf ihre jeweiligen Lebenswelten zu ziehen …

Sebastian Biesold, Philipp Kreisig

Jenseits des Gattungsdenkens: Musikdramatische Werke und Herrschaft im Alten Reich

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Der Beitrag widmet sich der Untersuchung von Musik-Macht-Komplexen im Zusammenhang mit Wissen aus Sicht der im Alten Reich ausgeübten Fürstenherrschaft. Dabei ist Herrschaft als legitimierte Macht aufzufassen, deren juristische Grundlage im Kern über den gesamten Zeitraum der Existenz des Reiches (800–1800) weitgehend unverändert blieb …

Katrin Gerlach, Lars Klingberg, Juliane Riepe

Parameter politischer Instrumentalisierung von Musik der Vergangenheit im Deutschland des 20. Jahrhunderts am Beispiel Georg Friedrich Händels

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Die eigene Geschichte, die von den Nachgeborenen als ›groß‹ empfundene Kunst der Vergangenheit, ist seit jeher ein gern und intensiv genutztes Medium der Politik gewesen, eingesetzt zur Propagierung eigener politischer Ideale, zur Identitätsstiftung oder zur Legitimation von Herrschaft. Die Forschung zur Rezeption von Musik (Werken, Komponisten) der Vergangenheit hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten intensiviert; das Gleiche gilt für den Zusammenhang von Musik und Politik …

Gerd Grupe

Computergestützte Forschungsmethoden in der Ethnomusikologie am Beispiel des Projekts »Virtual Gamelan Graz«

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Computergestützte Verfahren werden in der ethnomusikologischen Forschung bereits seit geraumer Zeit eingesetzt. Neben offensichtlichen Anwendungsgebieten wie Klang- und Timing-Analysen, hier insbesondere zum Mikrotiming in der Aufführungspraxis bestimmter Genres, deren Groove nicht durch eine strikt isochrone Zeitgliederung gekennzeichnet ist, sind es vor allem gezielte Hörexperimente, bei denen technische Hilfsmittel eine zentrale Rolle spielen …

Max Haas

Schrift als Macht

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Das Thema meines kurzen Beitrags ist zweifach angelegt. Es bezieht sich erstens auf eine übliche Auslegeordnung im Fach Musikwissenschaft, und zwar auf den Umstand, dass Musikgeschichte sich mit Notiertem beschäftigt, und das so ausschließlich, dass Übersichtsdarstellungen der Musikgeschichte in der Regel mit den Neumen und mit Schriften im Gefolge dieser Neumen beginnen …

Wolfgang Auhagen

Einführung zum Hauptsymposion »Musikanalyse im Spannungsfeld von Expertise und computergestützter Datenverarbeitung«

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Einleitend sollen einige Grundideen erläutert werden, die bei der Konzeption des Symposions eine Rolle gespielt haben. Im Titel ist von einem Spannungsfeld die Rede, das zwischen den Polen »Expertise« und »computergestützte Datenverarbeitung« aufgespannt wird. Ist ein solches Bild gerechtfertigt?

Oliver Huck

Analyse von Musik des Mittelalters zwischen Musica, Musikwissenschaft und eHumanities

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Die Musik des Mittelalters ist für eine computergestützte musikalische Analyse scheinbar geradezu prädestiniert. Kaum eine Monographie zu Musik und Computer verzichtet auf die Herleitung von Musik aus dem Quadrivium der Artes liberales, viele computergestützte Analysen eint die stillschweigende Annahme, dass es das legitime Ziel von Analyse sei, eine auf einer numerischen Ordnung basierende Struktur zu erkennen, da eben diese der in einer vermeintlichen »Musikanschauung« zum Ausdruck kommenden Mentalität des mittelalterlichen Menschen entspreche …

Frank Hentschel

Musikgeschichte im Raster der Notation

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Ich habe noch vor 10 Jahren erlebt, dass ein Kollege bei einer akademischen Einführungsveranstaltung für Erstsemester in ungefährem Wortlaut erklärte, der Gegenstand der Musikwissenschaft seien die schwarzen Punkte auf weißem linierten Papier. Er reagierte damit auf die mindestens berechtigte Frage eines Studienanfängers, ob denn auch Veranstaltungen zur sogenannten populären Musik angeboten würden. Für den Fachkollegen, der diese Art von Musik auch gern als »Unterschichtengeräusche« apostrophiert, war mit der Festlegung des Gegenstandsbereichs der Musikwissenschaft auf notierte Musik natürlich eine Reihe ideologischer Wertmerkmale verknüpft …

Clemens Kühn

Zu Bedingungen musikalischer Analyse. Eine Gedankenkette durch ein Labyrinth

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Es macht einen großen Unterschied, ob Komponisten, Historiker, ausführende Musiker oder Musikpädagogen ein Werk anschauen, weil ihre Erkenntnisinteressen voneinander abweichen und sie dadurch jeweils andere Ausschnitte einer Musik in den Blick nehmen. Also liegt es nahe, dass Analysen multiperspektivisch verfahren sollten, um der musikalischen Vielschichtigkeit gerecht zu werden …

Beate Kutschke

Wann und warum ist Musik Ideologem? Vier Thesen aus semiotischer Perspektive

Beitrag zur Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung Halle/Saale 2015 – »Musikwissenschaft: die Teildisziplinen im Dialog«

Das musikwissenschaftliche Forschungsfeld, das mit den Labels »Musik und Politik«, »politische Musik« oder »politisch engagierte Musik« bezeichnet wird, konstituierte sich um 1970, nach dem Höhepunkt der Studenten- und Protestbewegungen Ende der 1960er Jahre. Der Terminus »politische Musik« oder »politisch engagierte Musik« artikulierte dabei die Vorstellung, dass bestimmte musikalische Stilistiken oder Genres – eben diejenigen, die als »politische« oder »politisch engagierte Musik« bezeichnet wurden – mehr als andere dazu geeignet seien, politische Positionen »zum Ausdruck« zu bringen oder ihnen zur Durchsetzung zu verhelfen …